Die SPD geht auf den Zusammenschluss der Allgemeinen Deutschen Arbeitergewerkschaft unter der Leitung von Ferdinand Lassalle und der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei unter der Leitung von August Bebel und Wilhelm Liebknecht im Jahre 1875 zurück. Im Jahre 1890 bekam sie ihren heutigen Namen, die Sozialdemokratische Partei Deutschlands. Die Frühgeschichte der Partei war geprägt von häufigen und intensiven internen Konflikten zwischen sogenannten Revisionisten und orthodoxen Marxisten sowie von Verfolgung durch die deutsche Regierung und ihrem Kanzler Otto von Bismarck. Die Revisionisten, die zu verschiedenen Zeiten von Lassalle und Eduard Bernstein angeführt wurden, argumentierten, dass soziale und wirtschaftliche Gerechtigkeit für die Arbeiterklasse durch demokratische Wahlen und Institutionen und ohne einen gewaltsamen Klassenkampf eine Revolution erreicht werden könne. Die orthodoxen Marxisten bestanden darauf, dass freie Wahlen und Bürgerrechte keine wirklich sozialistische Gesellschaft schaffen würden und dass die herrschende Klasse niemals ohne Kampf die Macht abgeben würde. Die deutschen Eliten des späten 19. Jahrhunderts sahen in der Existenz einer sozialistischen Partei eine Bedrohung für die Sicherheit und Stabilität des neu vereinigten Reiches, deshalb wurde von 1878 bis 1890 die Partei offiziell verboten.

 

Trotz gesetzlicher Versammlungs- und Literaturverbote fand die SPD immer mehr Unterstützung und konnte auch weiterhin an den Wahlen teilnehmen. 1912 war sie mit mehr als einem Drittel der Stimmen die größte Partei im Reichstag. Ihr Votum für Kriegskredite im Jahre 1914 und das katastrophale Schicksal Deutschlands im Ersten Weltkrieg führte jedoch zu einer inneren Spaltung, wobei die Zentristen unter Karl Kautsky die Unabhängige Sozialdemokratische Partei und die Linke unter Rosa Luxemburg und Liebknecht die Spartacus-Liga bildeten, die im Dezember 1918 zur Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) wurde.

 

Der rechte Flügel der SPD, unter Friedrich Ebert, schloss sich mit Liberalen und Konservativen zusammen, um die Aufstände im sowjetischen Stil in Deutschland 1918-20 zu zerschlagen. Nach dem Ersten Weltkrieg spielte die SPD eine zentrale Rolle bei der Entstehung der Weimarer Republik und ihrer kurzen und tragischen Geschichte. Bei der Bundestagswahl 1919 erhielt die SPD 37,9 Prozent der Stimmen (während die unabhängigen Sozialdemokraten weitere 7,6 Prozent erhielten), aber das Versäumnis der Partei, auf der Pariser Friedenskonferenz 1919 günstige Bedingungen von den Alliierten zu gewinnen (im Vertrag von Versailles verankerte Bedingungen) und die schweren wirtschaftlichen Probleme des Landes führten zu einem Rückgang der Unterstützung. Dennoch war sie zusammen mit den römisch-katholischen und liberalen Parteien Teil mehrerer Koalitionsregierungen, aber sie war gezwungen, große Anstrengungen im Wettbewerb mit der KPD um die Unterstützung der Arbeiterklasse zu unternehmen. 1924 gewann die SPD, die sich bis dahin mit den Unabhängigen wiedervereinigt hatte, nur ein Fünftel der Stimmen. Obwohl ihre Kernförderung bei den Arbeitern relativ stabil blieb, verlor die SPD die Unterstützung bei den Angestellten und Kleinunternehmern, von denen viele ihre Loyalität zu den Konservativen und später zur Nazi-Partei wechselten. Bis 1933 hielt die SPD nur 120 von 647 Sitzen im Reichstag für die Nazis 288 und die Kommunisten 81.

 

Die SPD wurde kurz nach dem Machtantritt der Nazis 1933 verboten. Doch 1945, mit dem Fall des Dritten Reiches von Adolf Hitler, wurde die SPD wiederbelebt. Sie war die einzige überlebende Partei aus der Weimarer Zeit mit einer makellosen Opposition gegen Hitler; im Gegensatz zu anderen Weimarer Parteien hatte die SPD während des Dritten Reiches Exilorganisationen in Großbritannien und den Vereinigten Staaten unterhalten. Darüber hinaus war eine Untergrundorganisation innerhalb Deutschlands tätig und hat es geschafft, intakt zu überleben. So hatte die SPD bei der Wiederaufnahme der demokratischen Wahlen im besetzten Deutschland nach dem Krieg einen großen Vorteil gegenüber ihren Konkurrenten und sollte die Regierungspartei des Landes werden.

 

Die SPD hat sich bei den meisten Landtagswahlen zwischen 1946 und 1948 sehr gut geschlagen. Bei der ersten Bundestagswahl 1949 wurde die SPD jedoch knapp von den neu gebildeten Christdemokraten besiegt, die eine Mehrheitskoalition mit mehreren kleineren Mitte-Rechts-Parteien bilden konnten. Dem Verlust von 1949 folgten 1953 und 1957 entscheidende Niederlagen.

 

Nach der Wahl von 1957 leitete eine Gruppe von Reformern, die größtenteils aus den Gebieten stammten, in denen die Partei am stärksten vertreten war (z.B. West-Berlin, Nordrhein-Westfalen und Hamburg), eine Neubewertung der Führung, Organisation und Politik der Partei ein. Sie kamen zu dem Schluss, dass die SPD die öffentliche Meinung der Nachkriegszeit stark missverstanden habe. Die meisten Deutschen, so glaubten sie, waren der ideologischen Rhetorik über den Klassenkampf, die Wirtschaftsplanung und die Regierungsübernahmen von Industriepolitiken, die damals im Mittelpunkt des Parteiprogramms standen, überdrüssig. Die Wähler waren auch mit der Mitgliedschaft Westdeutschlands in der Nordatlantikvertragsorganisation (NATO) und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zufrieden und hatten wenig Interesse daran, dass die SPD die Wiedervereinigung des Landes durch eine neutralistische Außenpolitik betonte. So hat die SPD auf einem Sonderparteitag 1959 in Bad Godesberg fast ein Jahrhundert des Engagements für den Sozialismus formell durch die Marktwirtschaft abgelöst, das NATO-Bündnis unterstützt und seine traditionelle antiklerikale Haltung aufgegeben.

 

Das Programm in Bad Godesberg hat sich bewährt. Von 1961 bis 1972 erhöhte die SPD ihre Stimmenzahl von 36 auf fast 46 Prozent. Sie trat 1966 in eine große Koalition mit ihrem Hauptkonkurrenten, der CDU-CSU, ein, und von 1969 bis 1982 regierte die SPD als dominanter Koalitionspartner der FDP. Die beiden SPD-Kanzler Willy Brandt und Helmut Schmidt initiierten während ihrer Amtszeit große außen- und innenpolitische Veränderungen; so verfolgte Brandt eine Außenpolitik des Friedens und der Versöhnung mit Osteuropa und der Sowjetunion, und Schmidt führte Deutschland erfolgreich durch die turbulenten Wirtschaftskrisen der 70er Jahre. Bis 1982 hatten jedoch 16 Jahre des Regierens ihren Tribut gefordert. Die Partei war sowohl in der Umwelt- als auch in der Militärpolitik tief gespalten, und die Parteiführer hatten ihre Unterstützung in vielen Bereichen verloren. So wurde Schmidts Unterstützung für eine neue Generation von NATO-Atomraketen, die in Deutschland eingesetzt werden sollen, von der große. Mehrheit der Aktivisten der Partei abgelehnt. Der Koalitionspartner der Partei, die FDP, verdrängte 1982 die SPD und half ihrerseits bei der Wahl des CDU-Kanzlers Helmut Kohl.

 

Die SPD blieb von 1982 bis 1998 auf Bundesebene aus dem Amt und musste vier Wahlverluste in Folge hinnehmen. 1998 konnte die SPD unter der Führung von Gerhard Schröder eine Regierungskoalition mit den Grünen bilden. Schröder hatte sich für niedrigere Steuern und Kürzungen der Staatsausgaben eingesetzt, um Investitionen anzuregen und Arbeitsplätze zu schaffen. Trotz der Unfähigkeit der Regierung Schröders, die Wirtschaft wiederzubeleben und die Arbeitslosigkeit abzubauen, wurde die SPD 2002 nur knapp wiedergewählt, ein Sieg, der vor allem dem Appell von Schröders Reaktion auf die historischen Überschwemmungen im Land und seinem Versprechen, sich nicht an den US-Militäraktionen gegen den Irak zu beteiligen, zu verdanken ist.

 

In ihrer zweiten Regierungszeit konnte die SPD weder die Arbeitslosigkeit abbauen noch die stagnierende Wirtschaft des Landes wiederbeleben und erlitt bei den Landtagswahlen eine Reihe verheerender Verluste. Tausende von Parteimitgliedern verließen die SPD aus Protest gegen Kürzungen bei so genannten heiligen Programmen wie Arbeitslosengeld und Gesundheitsvorsorge, und einige Ex-SPD-Mitglieder gründeten unter dem ehemaligen SPD-Chef Oskar Lafontaine eine Alternativpartei, die 2005 gemeinsam mit der PDS (Partei des Demokratischen Sozialismus im Osten) kämpfte. Trotz der Spaltung und Unzufriedenheit mit der SPD-Regierung blieb Schröder weiterhin weit verbreitet, und die SPD erreichte 34 Prozent der Stimmen. Sie fiel nur vier Sitze scheu vor der CDU-CSU, konnte aber wegen des Erfolgs der neuen Partei Lafontaines und der PDS keine Mehrheitsregierung mit ihrem bevorzugten Koalitionspartner bilden. Nach Verhandlungen ging die SPD eine große Koalition mit der CDU-CSU als Juniorpartner ein, und Schröder legte das Kanzleramt nieder.

Bei der Bundestagswahl 2009 erlebte die SPD einen verheerenden Unterstützungsrückgang. Die Partei gewann nur 23 Prozent der Bundestagsstimmen, und die Zahl der Sitze im Bundestag sank von 222 auf 146 – eine Zahl, die deutlich unter den 239 Sitzen der CDU-CSU liegt. Die SPD wurde damit aus der Koalitionsregierung in eine Position der Opposition gedrängt. Seine Position hat sich durch die Parlamentswahlen 2013 verbessert. Obwohl sie mit rund 26 Prozent der Stimmen den zweiten Platz belegte, schloss sich die SPD der Regierung des Wahlbündnisses CDU-CSU in einer „Großen Koalition“ an. Der bisherige Koalitionspartner der CDU-CSU, die FDP, hatte die fuer die Vertretung im Bundestag erforderliche Schwelle nicht erreicht. Die Teilnahme an der Großen Koalition hat der Popularität der SPD nicht geholfen, und kleinere Parteien sahen ihre Unterstützung angesichts eines stetigen, wenn auch unspektakulären Wirtschaftswachstums und zunehmenden Anti-Immigranten-Gefühls zunehmen. Bei der Bundestagswahl im September 2017 gewann die SPD nur 20 Prozent der Stimmen, die schlechteste Leistung in der Nachkriegszeit. Parteichef Martin Schulz hatte zwar versprochen, dass sich die SPD nicht an einer weiteren großen Koalition beteiligen werde, doch monatelange gescheiterte Gespräche und die Aussicht auf Neuwahlen veranlassten Schulz, sein Versprechen rückgängig zu machen. Im März 2018 stimmten die Parteimitglieder einer Fortsetzung der großen Koalition mit der CDU-CSU von Angela Merkel zu.